Warum ich archiviert habe

Die Geschichte von GCLeaks, Geocheck und Co. dürfte ja jeder mitbekommen habe, ansonsten bitte hier und hier nachlesen.

Ich muss zugeben, dass ich noch nie großer Fan von Mysterys war. Wenn man erstmal eine ganze Weile braucht um zu verstehen, wie der Lösungsansatz sein könnte, habe ich meist aufgegeben. Bekanntlich kann aber jeder das Spiel spielen wie er möchte und schwere Mysterys haben auch ihre Freunde. Und obwohl ich selbst ncht der Riesenfan der Ratehaken bin, habe ich trotzdem selbst ein paar versteckt, die aus spontanen Ideen entstanden und meist in mehr oder weniger ausgeprägter Beanspruchung von Suchmaschinen ausarteten. Lediglich meine Bibliothek von Tham Mirdain schlug aus der Reihe, da es eigentlich eher ein virtueller Multicache ist, wo man sich auf Tolkiens Spuren durch ein Labyrinth finden und auf dem Weg Rätsel lösen muss.

Warum legt man nun Mysterys? Wie bei jeder Dose möchte man dem Sucher eine Aufgabe geben und stellt sich vor, wie er sie löst und freut sich ein wenig, wenn er sich anstrengen muss. Der Sucher sollte Rätselspaß haben und ein schönes Log ist dann im Idealfall die Belohnung für den Owner. Natürlich passen Erwartung von Owner und Cacher nicht immer ganz zusammen, aber man lernt als Owner im Laufe der Zeit ja auch, was gut ankommt und was nicht. Um beim Beispiel der Bibliothek zu bleiben: In diesen Mystery habe ich für die Programmierung des Labyrinths und der Rätsel rund 30 Stunden Zeit gesteckt und die Begeisterung der Erstfinder hat mich dafür belohnt. Nach einiger Zeit kamen dann die ersten Logs von Gruppen, wo einer wohl gerätselt hatte und der Rest auf dem Weg zum Nachtcache mitgeloggt hat. Natürlich stinkt einem das dann irgendwo, aber damit muss man als Cacheowner mittlerweile wohl leben. Ich für meinen Teil logge Dosen nicht, wenn ich nicht mal ansatzweise den Lösungsweg weiß.

In der GCLeaks FB-Gruppe sind laut dem was man so liest rund 1300 Mitglieder, die wohl mehr oder weniger spoilern oder zumindest Informationen aus der Gruppe rausziehen. Und mir kann niemand erzählen, dass er nur dauerhaft in der Gruppe ist um zu sehen, ob seinen eigenen Dosen gespoilert werden. Wenn man da drin bleibt, dann weil man was rausziehen möchte. Die grundsätzliche Bereitschaft sich die Dose zu holen ohne die Lösung zu rätseln ist also weit verbreitet. Und da ist es eben schon noch ein Unterschied ob ein Team oder ein Teil daraus ein Rätsel löst und man dann in der kleine Gruppe hinfährt oder ob Koords einfach so getauscht werden, was ja laut zahlreichen Aussagen heutzutage gängige Verhaltensweise auf Events ist.

Ein weit verbreites Statement ist, man soll jeden doch das Spiel so spielen lassen, wie er möchte. Ob jemand T5ert, gerne rätselt, wandert oder Powertrails macht, jeder darf das für sich entscheiden. In dem Augenblick wo jemand meine Dosen macht, spielt er aber mit mir und es ist ein wenig wie beim Schach oder “Mensch ärgere Dich nicht”. Jeder kann seine Züge machen, wie er mag und versuchen die Partie durch den einen oder anderen Kniff zu gewinnen. Das macht den Reiz aus. Aber es gibt wie bei jedem Spiel halt auch Regeln und wenn mich einer bescheißt, dann spiele ich halt nicht mehr mit ihm.

Da die ganzen Schummler von GCLeaks derzeit ein reines GC.com-Problem sein dürften, bleiben meine Dosen bei OC bestehen. Wem es also hauptsächlich ums Cachen und weniger um die Statistik geht, der kann die Rätsel also weiterhin lösen.

Natürlich trifft es jetzt auch unschuldige und ehrliche Cacher. Aber andererseits: Jeder ehrliche Finder gerät jetzt auch in den Schummelverdacht, wenn er zukünftig eine der gespoilerten Dosen findet.

Das war meine Sicht der Sache. Ich möchte keinen drängen, jeder muss das selbst für sich entscheiden. Reviewer Urbanwalker hat hier auch etwas Lesenswertes dazu geschrieben.

6 comments to Warum ich archiviert habe

  • Warum ich nicht archiviert habe! Vorweg: Damit keine Missverständnisse auftreten, ich halte diesen Blog für einen der angenehmen rund um unser schönes Hobby. Und auch ich habe letzten Freitag ca. 10 Minuten vollgefrustet über eine Komplettarchivierung nachgedacht, denn alle meine Rätsel, meine beiden Wherigos, mein EarthCache und sogar ein noch gar nicht gepublishter Rätsel-Geocache GC4XCBW (kurzum: alles von mir) sind betroffen. Bei einem Rätsel im Saarland habe ich in Windeseile inhaltlich umgebaut und so schnell es ging die Dose verlegen lassen, bei meiner Lost-Place-Letterbox in Niedersachsen werde ich die Fundrate beobachten und vielleicht später archivieren (wobei danach das ganze Gebiet für neue Dosen gesperrt wäre) und bei dem noch nicht veröffentlichten Geocache in Rheinland-Pfalz werde ich schlicht nichts unternehmen. Wieso? Die Weitergabe von Koordinaten hat es immer schon gegeben, nur nicht in dem Umfang. Das Hacken einer Datenbank ist neu und sehr ätzend, aber im Grunde war es absehbar, dass sowas irgendwann erfolgen würde. Seit heute weiß ich, dass die aktuelle Gesamtliste 90.000 Finals enthält (inklusiver von ca. 15.000 Parkplatzwegpunkten allerdings), aber ständig weiter wächst, betrieben von anderen Leuten auf anderen Plattformen. Fast alle Finals aus Tschechien sind nun mit drauf, etliche Finals in den USA und an einzelnen exotischen Orten. Die dänische Lösungsdatenbank für Tausende EarthCaches ist intern seit etwas mehr als einem Jahr bekannt. Für meinen EC finden sich dort vorformulierte Antworten auf die Fragen auf Deutsch, Englisch und Dänisch. Das finde ich eher lustig. Es scheint aber, als ob es nun zu einer „jetzt erst recht!“-Aktion anderer kommt, um die Situation maximal zu eskalieren. Aber was bedeutet das dann alles? Ist damit „Gocaching“ als Spiel kaputt und tot? Nein! Es wird weiterhin Hobbykollegen geben, die sich konventionell einem Rätsel widmen und Freude daran haben. Und auch ich werde weiter als Owner aktiv sein, nur einen Geochecker werde ich nicht mehr verwenden, womit allerdings eher die ehrlichen Sucher bestraft werden, ja, aber das Sicherheitsrisiko ist mir einfach zu groß geworden. Schön wäre es, wenn Groundspeak einen eigenen Checker hinter den stark geschützten eigenen Mauern anbieten würde; die Idee steht zumindest jetzt im Raum. Aber auch unabhängig davon wird sich aus den Logeinträgen einigermaßen klar erkennen lassen, wer wirklich gerätselt hat und wer nur zur Dose gelaufen ist (zumal alle meine Geocaches PMO sind und man im Audit-Logbuch sehen kann, wer wann zuerst und wie oft auf dem Listing war). Die ganze Aufregung wird sich auch wieder legen. Ich verstehe, wenn Owner jetzt trotzdem archivieren, habe mich aber für einen anderen Weg entschieden. Abschließend noch der Hinweis, dass ich im aktuellen Podcache noch ein paar Ansichten ausführlicher darlege (Link). Wenn viele jetzt resignieren, schaden wir uns letztlich nur selbst, gewinnen aber nichts dadurch. Beste Grüße aus Hamburg, alsterdrache

  • Die GC-Dosen zu archivieren und dieselbe Dose als OC bestehen zu lassen bringt nichts, im Gegenteil. Dann loggen die Leute munter weiter den archivierten Cache, da die Dose ja noch vorhanden ist. Oder sind Deine OC-Dosen andere Caches als Deine GC-Dosen?

    Ich habe mich nach langem Hin und Her dazu entschlossen, meine ?-Dosen erst einmal bestehen zu lassen, eben weil ja doch ab und zu mal jemand das Rätsel selbst löst und dann auch den Cache bergen will.
    Zum Umfang der Schnorrerei: Das hält sich bei durchaus in Grenzen, jedenfalls ist da jetzt keine Stampede ausgebrochen.

  • Steinpilzle

    Ich habe eben mal angefangen in der Bibliothek zu stöbern und hab mich gleich an die alten Bücher erinnert, in denen man je nach Entscheidung auf eine andere Seite verwiesen wurde 🙂

    Sehr schade natürlich, dass Du den Cache bei GS eingemottet hast. Aber schön zu sehen, dass er bei OC weiter existiert 🙂 Es wäre wirklich sehr schade gewesen, wenn Deine Arbeit „umsonst“ gewesen wäre! (Wenn ich mal in die Gegend dort kommen sollte, dann könnte das der erst OC Cache werden, den ich angehe 🙂 )

    Da ich nicht bei FB bin, konnte ich lediglich bei der von JR849 „aufbereiteten“ Version nachschauen, was von uns drin ist. Es sind zwar nicht alle Ratehaken, aber die schwereren sind drin. Ich denke trotzdem nicht übers archivieren nach, denn auch schon vor der Datenbank kamen Leute an die Koordinaten, ohne selbst gelöst zu haben. Die „Cheater“ entlarven sich ohnehin selbst, denn aus den Logs ist klar zu ersehen, wer hier Aufwand und Mühe reingesteckt hat und wer nicht.

    Ich kann jeden verstehen, der wegen der massenhaften Weitergabe von Koordinaten gefrustet ist und seine Caches archiviert. Aber ich freue mich mehr über alle anderen, die ihre Caches trotzdem offen lassen und sich über die (wenigen?) tollen Logs freuen, die trotzdem immer wieder eintreffen. 🙂

  • Meine archivierten Mysterys sind bei GC alle gesperrt.

  • GCleaks

    Wer sich über Seiten wie GCLeaks (künstlich) aufregt, der sollte niemals auf einem Event beim Tauschen von Final-Koords erwischt werden.
    Niemand geht mit einer Liste von zig tausend Final-Koords aus der halben Welt los und loggt alle. Es ging schon immer um die eigene Homezone, in der (leider) meist nur hinter einem Fragezeichen eh nur der nächste Micro wartet. In diesen Zeiten, wo der Micro im Wald zum Regular (=eigentlich reguläre Cachegröße) wird, dort kann man auch mal an einem größeren „Stammtisch“ wie z.B. GCLeaks teilnehmen. Communities, GPX-Listen oder Seiten wie GCLeaks zu verteufeln und sich trotzdem explizite Hints irgendwo einzuholen ist nichts anderes als Doppelmoral 😉

  • Es haben die einen wie die anderen den Sinn des Spiels nicht vrstanden. Ich lasse mir eben auch keine Finalkoordinaten auf Events spoilern. Wenn dann schreibe ich mal dne Owner an und lasse mir einen Tipp geben, wenn mir wirklich was daran liegt.

    Ich würde das Ganze eher mit den Doping im Radsport vergleichen. Da haben sich die Profis durch Beschiss einen Vorteil geschaffen. Irgendwann flog es auf und danach war der Ruf des ganzen Sports am Ende. Wenn ich bei uns so in der Gegend schau, wer von den Cachern noch übrig geblieben ist, so kann man doch feststellen, dass das Hobby seinem Ende entgegen geht. Neue Dosen gibt es so gut wie keine mehr. Die Cacher der ersten Stunde (die die schönen dosen damals legten) haben fast alle aufgehört.

    Und schon allein, dass sich die neue Plattform in einem TOR-Netzwerk verstecken muss spricht ja Bände.

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