Wanderung zur Roten Marter

Am Sonntag habe ich nach längerer Vorbereitung einen Wandercache rund durch den Wald meiner Kindheit ausgelegt. Beim GeocacheWanderung zur Roten Marter“ kommt man an ein paar interessanten Orten vorbei, die zwar jeder Einheimische kennt, zu der aber niemand die geschichtlichen Hintergründe kennt. In der Vorbereitung habe ich viel im Internet gesucht und musste dann aber bei unserem Kreisheimatpfleger Berberich anfragen, der ebenfalls aus Wernberg-Köblitz stammt. Da die Details in der Cachebeschreibung zu viel spoilern würden, nehme ich sie hier rein und hoffe, dass sie dem zukünftigen Interessierten weiterhelfen.

Die große Linde am Wernberger Galgenberg

Von hier hat man einen wunderbaren Ausblick auf die Burg Wernberg und einen großen Teil des Gemeindegebiets. Das dort befindliche Flurdenkmal ist das „Fleischmann Kreuz“, welches aus dem Motiv Dankbarkeit errichtet wurde. Es trägt die Inschrift „Gestiftet von Johann Fleischmann in Nordamerika 1861“. Johann Fleischmann war Knecht in Wohlsbach. Als Dank für die glückliche Überfahrt bei seiner Auswanderung ließ er dieses Kreuz errichten.

Rote Marter

Die Rote Marter ist ein Flurdenkmal dessen Entstehung in der zweiten Hälfte des 18. Jh. vermutet werden kann. Im Katasterplan von ca. 1850 ist es als „Rothe Marter“ eingezeichnet. Die äußere Form, mit Sockel, Säule und Kapitell, findet sich bei vielen Flurdenkmälern aus dieser Zeit. Die Namensgebung ist, nach Weglassung aller nicht beweisbaren Spekulationen, auf den roten Anstrich des aufgesetzten Kreuzes zurückzuführen. Die dazu bestehende Sage ist unter die Gruppe „Aufhugln“ einzustufen. Die Kurzfassung dieser Sage lautet:

„ Es war vor vielen Jahren, als aus dem Staatswald immer sehr viel Holz gestohlen wurde. Eines Tages legte sich ein Förster in der Nähe der Roten Marter auf die Lauer, um einen Holzdieb zu überführen. Als er dort wartete, sprang ihm ein Pudel auf den Rücken. Nach einem heftigen Kampf schleppte sich der Förster nur noch mühsam nach Hause. Als er vor seiner Tür angelangte starb er vor Erschöpfung.“

Christopherusquelle

Nach westlichen Quellen war sein Name Offerus. Seine riesige Gestalt erschreckte alle, die ihm begegneten. Offerus kannte seine geistige Grenze und wollte nicht herrschen, sondern dienen – aber nur dem mächtigsten aller Herrscher. Diesen begann er zu suchen. Er fand aber keinen, dessen Macht nicht irgendwie begrenzt war. Nach lange vergeblicher Suche riet ihm ein frommer Einsiedler, unbegrenzt sei nur Gottes Macht, und Offerus solle nur Gott dienen. „Aber wie sagt mir Gott, was ich tun soll?” Als Gottes Wille solle Offerus seine überragende Gestalt erkennen. Offerus solle an Stelle eines Fährmanns Reisende über einen Fluss tragen und diesen Dienst als den Willen Gottes ansehen. An einer tiefen Furt verrichtete Offerus fortan diesen Dienst. Eines Tages nahm er ein Kind auf die Schulter, um es über den Fluss zu tragen. Zunächst war das Kind sehr leicht, aber je tiefer Offerus in die Furt stieg, desto schwerer schien es zu werden. In der Mitte des Stromes keuchte Offerus schließlich: „Kind, du bist so schwer, als hätte ich die Last der ganzen Welt zu tragen!“ Das Kind antwortete: „Wie du sagst, so ist es, denn ich bin Jesus, der Heiland. Und wie du weißt, trägt der Heiland die Last der ganzen Welt.” Am anderen Ufer angelangt, setzte Offerus das Kind ab, worauf das Kind zu ihm sagte: „Du hast den Christ getragen, von jetzt an darfst du Christofferus heißen.”

Judas-Thaddäus-Kapelle

Die Brüder Pfarrer Georg und „Japanmissionar“ Karl Demleitner sind die Stifter dieser Kapelle. Mit einer bemerkenswerten Gemeinschaftsleistung vieler Beteiligter wurde sie erbaut und 1982 von Pater Karl Demleitner und Pfarrer Heinrich Groß geweiht. Als gestalterische Besonderheiten sind die von Heimatpfleger Josef Lang ausgeführte Sgraffitodarstellung des Apostels Judas Thaddäus und das vom ehemaligen Kreis-heimatpfleger Ernst Dausch gefertigte Fenster anzusehen. Die Matrikel enthält den Hinweis auf das Privateigentum und die private Baulast.

1 comment to Wanderung zur Roten Marter

  • Sieht sehr idyllisch aus…. leider zu weit weg für einen spontanen Besuch, aber vielleicht bin ich mal wieder in der Ecke.

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